Dienstag, 16. Dezember 2008

Frohe Weihnacht!

Liebe Gemeinde und liebe Freunde,
gestern auf dem Weg zu meiner Bank, bei der ich einige Geschäfte zu tätigen hatte, kamen mir ein paar Gedanken, über die ich Euch berichten will. Ist es nicht ein schönes Gefühl, wenn in dieser lichterfüllten Adventszeit unsere guten Taten ein wenig Freude in die Herzen bringen und sie wieder neu erstrahlen lassen?
So geht es mir zum zum Beispiel immer recht nah, wenn ich an den vielen Gestrandeten unserer Gesellschaft vorbeikomme mit leeren Händen und ich denke: Warum kannst Du denen nicht mal einen Kasten Bier schenken? Ja, ich frage mich das wirklich! Mein Herz geht auf und es wird mir warm vor Freude und die Innigkeit im Blick dieser Menschen, die so glücklich sein könnten, so ganz ohne Fernseher, lässt mich einen Moment vergessen, dass ein Kasten Bier ohne einen Fernseher fast schon sinnlos ist. Aber mein kleines Menschen-Ich plagt mich, zwickt und knabbert an mir herum und flüstert immer: Tu es... tu es... Und dann eile ich mit fliegender Soutane in den nächsten Getränkemarkt und erstehe einen Kasten Bitburger, bringe ihn zu meinen Freunden unter der Brücke und sage: Prost Weihnachten! Lasst es Euch schmecken, Jungs! Und die Jungs sagen: Kneippbach, Du bist unser strahlender Held, wir verehren Dich, aber lass bald wieder Weihnachten werden, denn auf einem Bein kann man ja nicht stehen und nur ein Kästchen Bier... und dann freuen sie sich über mein verdutztes Gesicht und schlagen mir auf meine Schulter, streicheln mir meinen Kopf, machen ganz viele Fotos von mir und ich muss wieder weinen und weinen und ich weine mir meinen ganzen Frust von der Seele.
Aber plötzlich höre ich tief in mir die Stimme meines lieben Bischof Kohn. Er grummelt: "Musste das sein? Warum Bitburger? Warum nicht Budweiser?" Und dann weine ich weiter und fragte meinen lieben Bischof ganz leise: "Und warum hat dieser Pizza-Dienst am Bahnhof pleite gemacht?" Und er sagt: "Weil der kein Budweiser hat!"

Ein helles Licht möge Euch erstrahlen!

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Leuchte, leuchte guter Stern

Liebe Gemeinde,
ist es nicht immer wieder ein schönes Erlebnis, seiner Kauflaune so richtig freien Lauf zu lassen, den Einkaufswagen bis obenhin gefüllt über den Parkplatz zu schieben und die bewundernden Blicke zu genießen? Ich gebe zu, auch mir geht es so, wenn ich vor meiner Gemeinde meinen gut gefüllten Sack mit fröhlichen Sinnsprüchen und Halbwahrheiten über Gott und die Welt ausbreite. Die Dankbarkeit, die mir aus dem Auditorium entgegenschwillt, vor einigen Tagen war mein kleines Kirchlein bis auf den letzten Platz gefüllt, alle anderen Bänke waren sowieso zur Reparatur, ist atemberaubend. Ich muss nur aufpassen, dass ich nicht übermütig werde bei so viel Zuspruch. Sonst geht es mir wie den vielen Marktschreiern auf allen Märkten der Welt. Zwischen dem Geschrei und Gebrüll falle ich am Ende gar nicht mehr auf. Es ist ein Teufelskreis. Verzweiflung aber ist nicht das Mittel, sich aus diesem zu lösen. Meine Devise ist: Attacke. Jeden Tag eine gute Tat, ein fröhlicher Spruch und ein Telefonat mit meinem lieben Freund Bischof Cohen in Kanada. Das baut mich auf, lässt meine Lebensgeister fröhlich jubeln und singen:

Holldriholdro, o seht das Licht
es strahlt aus meinem Herzen
the f*****' world? die stört mich nicht
sie dreht sich und wir scherzen.

Ich wünsche Ihnen eine durchlichtete Adventszeit, lassen sie sich ihr X nicht durch Ihr U vermasseln, glauben Sie daran, dass Ihr Ego auch nur ein Mensch ist und verzagen Sie nicht. Da müssen Sie durch.
Ihr Pater Kneippbach

Freitag, 19. September 2008

Mich brennts in meinen Reiseschuhen

Meine Lieben,
schon wieder ereilt mich ein Ruf, der nicht von dieser Welt zu sein scheint. Ich muss auf Reisen gehen und ich weiß nicht so ganz genau, wohin. Seien Sie aber gewiss, ich komme wieder. Kaum jemand wird meine Abwesenheit bemerken und sogar ich selbst werde schon wieder woanders sein, wenn ich auch noch hier zu sein scheine. Obgleich ich aber hier oder dort oder da bin, was macht das schon. Bin ich da bin ich dort. Die Welt ist "ein global village" mit einem Bretterzaun vor dem Kopf, mein Koffer steht in Berlin und hoffentlich steht er auch noch dort, wenn ich das nächste Mal wieder in dieser schönen Stadt bin. Jetzt aber freue ich mich, weil ich für eine gute Sache joggen gehen kann. Ich habe mich entschlossen, demnächst an einem großen Joggingwettbewerb in Paris teilzunehmen und wenn ich gewinne, werde ich in der Lage sein, ein Öl-Porträt von mir anfertigen zu lassen und mit dem Restgeld endlich unsere seit 15 Jahren geplante Gemeindezeitung, die "Priesterblume", erscheinen zu lassen.
Mit den innigsten Grüßen
Euer Pater Kneippbach

Sonntag, 17. August 2008

Licht im Dunkel

Verehrte liebe Gemeinde,
das hat gefehlt in der spirituellen Szene. Die Rückkehr der Leichtigkeit des Seins. Ich lese bei einem Beta-Blogger (das ist einer, der einen ab und zu mal wieder auf den Boden holt), dass Oekomad am Start ist. Ist das nicht schön, so langsam traue ich mich schon mal etwas weiter hinaus in diese großartige Welt der Wirrtualitiäht. Was gibt es dort nicht alles zu entdecken; sollte noch nicht nicht alles verloren sein? Die Kölner-Domplatte zu mieten ist schließlich keine Kleinigkeit. Schluss ist mit diesem sauertöpfischem Gefasel, denn es geht zur Sache. Liebe Freunde und alle Drückerkolonnen, die mir während meiner langen Leidenszeit die Stange hielten und den Daumen drückten. Ich kann Euch gar nicht sagen, wie bewegt ich bin. Ich habe ihn entdeckt: Simsa Labim auf der Suche nach dem Inte Gral. Simsa Labim ist der neue Stern am Eso-Himmel und hat mich so überzeugt, dass ich ab sofort dabei bin. Meine Meditation für Heute ist die ICKBIN Meditation und die geht so:
Ick sitz am Tische, esse Klops. Uff eenmal klopps. Ick stehe uff und kiecke. Und wer steht draussen? ICKE.
Der alte Tumbgänger Parzival kann einpacken. Wir packens. Hoffentlich fällt nichts runter. Ich muss Bischof Kohn anrufen, der wird vor Freude Eiertänze aufführen, dagegen hat die Putzfachtagung mit Besenfahrt von Else Klink aus der Lindenstraße den Charakter eines Kindergeburtstags. Jetzt muss ich nur aufpassen, dass ich vor Freude nicht aus der Haut fahre und meine Haushälterin küsse. Das wäre dann doch etwas peinlich anzusehen.
Liebe Freunde, nochmals Dank für Eure großartige Hilfe bei der Bewältigung meiner Probleme, stellt sich doch heraus, dass es Menschen gibt, die noch viel mehr Zuwendung brauchen als man selbst. Wenn ich auf der nächsten Vortragsreise durch die USA meinen alten Freund Ben von der Silber-Ranch treffe, werde ich ihm von Euch berichten. Er wird begeistert sein.

Donnerstag, 12. Juni 2008

Lebenszeichen

Liebe Gemeinde,
ich habe Euch nicht vergessen. Leider bin ich zur Zeit ernsthaft krank und meine knappe Zeit zwischen den vielen Sitzungen mit meinen Therapeuten lässt es nicht zu, mich mehr als unbedingt notwendig zu den Tasten greifen zu lassen. Und wenn ich es tue, was kommt heraus? Ich wage es fast nicht zu sagen. Was ist kleiner als Nichts, fragte einst der Philosoph. Ist es GAR NICHTS? Ich beginne zu ahnen, was es bedeutet, so im grellen Rampenlicht zu stehen. Aber die vielen begeisterten Zuschriften sind mir ein Labsal und ein Trost in dieser dunkelen Zeit. Ich lese viel in meinem Buch und dabei bilde ich mich weiter. Und ich begreife: Ich bin ein Teil der Elite. Ich bin nicht so wie die da draußen mit ihren kleinlichen Sorgen um das tägliche Überleben und den Kampf um den schönsten Platz auf dem Flur der Arbeitsagentur. Ich bin ein Kämpfer für das jeweils Andere, das Licht und die Finsternis, den Sinn und den Schwachsinn, den Geist und den Ungeist, den Reichtum und die Armut, den Wischi und den Waschi. Und vor allem dem Geld und dem Beutel. Ja ich sage es unumwunden. Ich will alles, und zwar sofort. Das ist die Ware Erleuchtung.

Ihr kranker Pater Kneippbach

Sonntag, 13. April 2008

Für einen Zaungast

Verehrte Gemeinde,
wovon das Herz voll ist... Mit großer Dankbarkeit lese ich die vielen, vielen Zuschriften zu meinen kleinen Bemerkungen. Heute will ich mich einmal direkt an einen netten Besucher dieser Seite wenden, den netten Zaungast.

Lieber Zaungast,
gastronomisch gesehen ist der Gast ein Kunde und der Kunde ist König. Gastritisch gesehen ist er Patient, privatversicherungs-technisch wird er zum König. Ihre Worte tun mir wohl. Für mich sind Sie ab heute ein Zaunkönig. Es gibt natürlich auch die so genannte Lattenzaunmonarchie, die steht für die Leere zwischen den Latten. Vielen Dank für Ihre netten Zeilen. In schweren Zeiten, in denen ich manchmal nicht weiß, ob ich schlafe oder wache, meditiere oder am Ende gar schon gestorben bin, tut es gut, verwandte Seelen zu erleben. Sie wissen sicher, dass es in unseren Kreisen verpönt ist, für schnöde Produkte zu werben. Hin und wieder zergeht mir aber ein Werbespruch auf der Zunge, der mich bis ins Mark trifft, meinem Ego einen atomschlagähnlichen Stoß versetzt, in mir förmlich explodiert und der da lautet: Bin ich nicht wirklich ein bisschen Fanta? Ich bespreche mich dann oft mit Bischof Kohn, der mir fast schon zu einer Art Guru geworden ist, was ihm aber immer ein bisschen peinlich ist. Vor allem, wenn ich ihn mit den Stones in Verbindung bringe. Mal ganz im Vertrauen, so richtig passen die nicht zusammen und ich muss auch immer ein bisschen suchen, bis ich Gemeinsamkeiten entdecke. Es gelingt mir aber von Mal zu Mal besser.

In diesem Sinne grüßt Sie ein wirklich dankbarer
Pater Kneippbach

Sonntag, 6. April 2008

Seifenblasen

Liebe Freundinnen und Freunde,
ich werde noch zum Technik-Freak, denn ich melde mich von unterwegs aus einem Internetcafe; Ich bin viel auf Reisen zur Zeit. Manchmal bin ich ganz schön kaputt von dem vielen Gerede und den wichtigen Veranstaltungen, auf denen ich sprechen muss. Aber meine Zuhörer sind mir unendlich dankbar, dass ich Ihnen sage, wo es lang geht. Glauben Sie mir, dass schaffe ich nur, weil ich mehr als andere auf meine seelisches Muskelspiel achte. Sehen Sie sich doch mal Menschen wie mich an und dann werfen sie einen Blick auf die, die einfach nur so rumleben: Der Unterschied ist beträchtlich. Während bei mir die spirituellen Muskeln geradezu sichtbar sind, gehen die anderen krumm und haben keine Haltung. Scherzhaft könnte man sagen, es ist ein Hohlkreuz mit all diesem unspirituellen Gelichter. Aber wir sind ja tolerant im Geiste. Bei uns darf jeder meine Meinung haben. Das war natürlich nur ein verspäteter Aprilscherz. Bischof Kohn sagt immer: Ich trage mein Kreuz und kenne keine Schranken und da gebe ich ihm gern Recht. Er heißt schließlich auch Andreas mit Vornamen. Wenn wir uns sehen, versprechen wir uns immer: Bis hierhin und nicht weiter! Aber ich halte mich selten daran.
Von Kollegen, die es noch nicht so weit gebracht haben wie ich (und das sind viele), werde ich oft gefragt, ob von der Berufsgenossenschaft der Geistlichen der seelische Muskelschwund als Berufskrankheit anerkannt wird. Ich frage dann zurück: Haben wir überhaupt eine Genossenschaft und überhaupt: sind nicht Genossen alles nur linke Stützstrümpfe? Und das WIR ist nur eine riesengroße Illusion? Plopp!
Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Sonntag!
Ihr Pater Kneippbach